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Amphibien und die Bahn: Entschneidung, wo das Wasser hoch steht

Von den Ingenieuren von KAMPAStand Aug. 2026Lesezeit 4 Min.

Kurz gefasst

Amphibien sind bodengebunden, langsam und standorttreu; eine Bahnstrecke schneidet ihre Wege zu Laichgewässern und neuen Lebensräumen ab. Ein herkömmlicher Amphibientunnel muss 1,80 m unter Schienenoberkante liegen und mindestens 0,10 m über dem höchsten Wasserstand bleiben, und wo das Grundwasser hoch steht, bleibt dazwischen zu wenig Raum. Früher untersuchte Alternativen sind für die Tiere zu eng, behindern die maschinelle Instandhaltung oder sind zu teuer. Eine Passage, die zwischen den Schwellen im und unter dem Schotterbett liegt, funktioniert auch an diesen nassen Standorten und lässt Stopfen und Schotterarbeiten wie gewohnt weiterlaufen.

Eine Barriere auf Geländeniveau

Die Eisenbahninfrastruktur ist eine Barriere für Amphibien. Kröten, Frösche und Molche sind bodengebunden, langsam und standorttreu: Sie bewegen sich am Boden fort, brauchen lange für eine Querung und halten an denselben Wegen und denselben Gewässern fest. Eine Bahnstrecke durch ihren Lebensraum schneidet den Weg zu den Laichgewässern und zu neuen Lebensräumen ab. Gerade diese Kombination von Eigenschaften macht die Strecke für diese Tiergruppe zu einer harten Grenze: Ein Tier, das nicht über das Gleis kommt, lange dafür braucht und keinen anderen Weg sucht, ist von seinem Gewässer abgeschnitten. Standorttreu heißt zudem, dass die Tiere ihren Weg nicht verlegen: Fällt die Querung weg, fällt die Verbindung zwischen Lebensraum und Laichgewässer weg.

Die Entschneidung durch gezielte Faunapassagen verbindet diese zerschnittenen Lebensräume wieder miteinander und stellt den Weg wieder her, den die Strecke abgeschnitten hatte. Die Frage ist nur, wo eine solche Passage Platz findet, denn die Bahn stellt ihre eigenen Randbedingungen: an die Konstruktion, an den Wasserstand und an die Instandhaltung.

Zwei Grenzen für den Standardtunnel

Die gängige Lösung ist ein Amphibientunnel, der die Strecke unterquert. Ein solcher Tunnel ist nach zwei Seiten begrenzt. Nach oben muss er aus konstruktiven Gründen 1,80 m unter Schienenoberkante liegen. Nach unten muss er mindestens 0,10 m über dem höchsten Wasserstand bleiben, um zu funktionieren. Zwischen diesen beiden Grenzen muss die komplette Passage Platz finden.

An vielen Stellen geht das. Aber viele Standorte, an denen ein Amphibientunnel gewünscht ist, liegen im Amphibienlebensraum mit hohem zu erwartendem Wasserstand; Amphibien leben dort, wo das Wasser ist. Wo das Grundwasser hoch steht, rücken die beiden Grenzen zusammen, und zwischen 1,80 m unter der Schienenoberkante und 0,10 m über dem Wasser bleibt zu wenig Raum, um einen Tunnel zu bauen. Die Standardpassage lässt sich dort unter diesen Randbedingungen schlicht nicht umsetzen. So entsteht eine schwierige Lage: Wo der Bedarf an einer Passage mit nassem Lebensraum zusammenfällt, scheidet die gängige Lösung aus.

Die Alternativen im Vergleich

Für diese nassen Standorte wurden in der Vergangenheit Alternativen untersucht, unter anderem im Rahmen des MJPO, des niederländischen Mehrjahresprogramms Entschneidung (Meerjarenprogramma Ontsnippering), doch keine dieser früheren Alternativen schließt die Lücke. Die möglichen Ansätze im Überblick:

  • Herkömmlicher Amphibientunnel. Die Referenzlösung, wo der Raum vorhanden ist. Scheidet an Standorten aus, an denen der Wasserstand für die erforderliche Tieflage zu hoch ist.
  • Amphibienrinnen zwischen den Schwellen. Legen den Durchlass in das Gleis selbst, ohne Tieflage. Sie sind jedoch für die Tiere zu eng und behindern die maschinelle Instandhaltung von Gleis und Schotter.
  • Herkömmliche Beton-Kabelkanäle. Als Passage eingesetzt gelten dieselben Einwände: zu eng für die Tiere, und zwischen den Schwellen stehen sie den Instandhaltungsmaschinen im Weg.
  • Schotterlose Konstruktionen. Sind zu teuer im Bau oder schwer zu warten.
  • Eine in die Schwelle integrierte Passage. Der Durchlass liegt zwischen den Schwellen, im und unter dem Schotterbett. Dadurch funktioniert die Passage auch an Standorten, an denen der Raum zwischen Schienenoberkante und Wasserstand einen Standardtunnel ausschließt, und das Profil für die maschinelle Instandhaltung bleibt frei.

In diesem Vergleich kehren drei Anforderungen immer wieder: Eine Passage muss für die Tiere geräumig genug sein, muss über dem höchsten Wasserstand bleiben und muss die Instandhaltung des Gleises unberührt lassen. Jede der früher untersuchten Alternativen scheitert an mindestens einem dieser Punkte; jede hat ökologische, technische oder wirtschaftliche Nachteile.

Die Instandhaltung entscheidet mit

Die dritte Anforderung verdient einen eigenen Absatz, weil sie im Entwurf oft den Unterschied macht. Gleis und Schotter werden maschinell instand gehalten, und eine Einrichtung zwischen den Schwellen liegt genau im Arbeitsbereich dieser Maschinen. Rinnen und Kabelkanäle in diesem Profil behindern das Stopfen und die Schotterarbeiten; schotterlose Konstruktionen vermeiden diesen Konflikt, aber zu hohen Bau- oder Unterhaltungskosten.

Eine Passage, die im und unter dem Schotterbett liegt und außerhalb der maschinellen Instandhaltung bleibt, lässt Stopfen und Schotterarbeiten wie gewohnt weiterlaufen. Für den Infrastrukturbetreiber heißt das: eine ökologische Maßnahme, die das reguläre Instandhaltungsregime nicht berührt und damit auch langfristig keine Wahl zwischen Natur und Gleisqualität erzwingt.

Wo wir dabei stehen

Für die Standorte, an denen der Standardtunnel nicht passt, hat Kampa die Schwellen-Faunapassage entwickelt: eine in die Schwelle integrierte Amphibienpassage, die zwischen den Schwellen im und unter dem Schotterbett liegt. Die Passage funktioniert an Standorten mit hohem Grundwasserstand, bleibt außerhalb der maschinellen Instandhaltung von Gleis und Schotter und verbindet Laichgewässer und Lebensräume beiderseits des Gleises wieder miteinander. Auf der Produktseite finden Sie eine Animation der Funktionsweise und die Installations- und Wartungsanleitung.

Eingang der Faunapassage mit Gitterrost und Leitwänden neben dem Gleis

Der Eingang der Passage, mit Gitterrost und Leitwänden.

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